17.10.2010

Zürich -> Tbilissi, 6. Etappe: Der Kazbeg - das Matterhorn des Kaukasus

Die Bergwelt Swanetiens und diejenige um den berühmten Berg Kazbeg gehören zur gleichen grossen Kette im Kaukasus. Aber von der einen Seite auf die andere zu kommen, ist nicht direkt möglich. Einerseits ist da die nicht-anerkannte, sich selbständig erklärte Region Südossetien dazwischen, die von Russland bewacht wird und somit kein Durchkommen möglich ist. Andererseits sind die Gipfel dazwischen mehrheitlich eher unzugänglich. Also fährt man von Swanetien hinunter ins "Flachland", begibt sich auf die vielbefahrene Verbindungsstrasse zwischen Tbilisi und dem Schwarzen Meer und biegt dann einige Kilometer vor der Hauptstadt wieder links ab nordwärts Richtung Berge. Die grosse Verbindungsstrasse von Tbilisi nordwärts über den Kaukasus ist legendär: Sie wird schon in der Antike als die kürzeste, aber nicht unbeschwerliche Verbindung über den Kaukasus erwähnt; sozusagen also der Gotthard des Kaukaus. Beschwerlich war diese "Georgische Heerstrasse" nicht nur wegen der gefährlichen Verhältnisse von Schnee, Wasser und Steinschlägen, sondern auch wegen der zahlreichen Überfälle. Im 19. Jahrhundert wurde die Strasse von russischen Kosaken ausgebaut und somit zu einer wichtigen Handelsverbindung. Jedoch schon wenige Jahre später brach dieser Wirtschaftszweig mit der Fertigstellung einer Eisenbahnlinie entlang des Kaspischen Meers bis Baku und von Baku über Tbilisi zum Schwarzen Meer ein. Wenn man heute auf dieser Strasse unterwegs ist, muss man annehmen, dass der Strassenverkehr trotz der Einschränkungen an der russischen Grenze lohnenswert ist: Man sieht, wie sich armenische und asserbaidschanische Lastwagen hoch- und runterquälen. Für uns war die Fahrt sehr angenehm: Es hatte wenig Verkehr und die Strasse war im Vergleich zu Swanetien in sehr gutem Zustand. Nur über den 2375m hohen Kreuzpass mussten wir die üblichen Slalomfahrten um die Schlaglöcher herum machen. Die Aussicht auf der ganzen Fahrt ist grandios. Bei der ersten Möglichkeit, den Kazbeg zu erblicken, waren wir noch enttäuscht: er war dicht in Wolken gehüllt. Das ist anscheinend sehr häufig der Fall, in unserem Reiseführer steht, dass "er es liebt, sich schon am Vormittag in undurchdringliche Wolkenhaufen zu hüllen; nicht wie ein scheues Mädchen, sondern eher wie ein mürrischer, der Welt überdrüssiger Alter". Der Kreuzpass ist übrigens sehr unscheinbar: kein Restaurant, kein Kiosk, nur ein Stein, auf dem in Russisch Name und Höhe des Passes stehen. Auf der anderen Seite des Passes durchquert man die letzten georgischen Dörfer; danach folgt die Darjal-Schlucht (auch diese erinnert mit ihrer Geschichte an unsere Schöllenen!) und an deren Ende bringt einen spätestens der hohe Stacheldrahtzaun zur russischen Grenze (Nordossetien) zum Stillstand. Für Ausländer ist die Georgische Heerstrasse also eine Einbahnstrasse. Aber es lohnt sich, beide Richtungen zu befahren. Im Dorf Kazbeg (oder neu auch wieder Stepantsminda genannt) machten wir einen Halt und erblickten ganz plötzlich das Unglaubliche:
Der 5033m hohe Kazbeg hatte sich enthüllt und präsentierte sich uns in seiner ganzen Pracht. Verständlich also, dass dieser Berg die Sagen- und Götterwelt inspiriert hat. An den Wänden des Kazbeg soll ja Prometheus für seinen Frevel büssen, den Menschen das Feuer gebracht zu haben. Friedrich von Bodenstedt (1819-1892) beschrieb seine Eindrücke von diesem Berg an der Verbindung zwischen Okzident und Orient folgendermassen: "Vor mir stieg in schauerlicher Schöne der gigantische Kasbek, der vielbesungene, sagengeheiligte Berg, von dessen Gipfeln periodisch alle sechs oder sieben Jahre die dort angehäuften Schnee- und Eismassen in furchtbaren Lawinen herabstürzen, Menschen und Dörfer in ihrem Falle begrabend. Nach zwei Meeren streckt er seine Arme aus; auf zwei Weltteile schauen seine weithinleuchtenden Augen: derweilen die Länder der Osseten, der Kisti, der Gagai, zu seinen Füssen sich winden."*
Nach diesem eindrücklichen Erlebnis machten wir uns auf in ein Seitental, das Sno-Tal. Hinter dem hintersten Dorf - Juta - auf einer kleinen, ganz abgelegenen Hochebene auf 2150m, installierten wir uns, um die Nacht in der Einsamkeit der Bergwelt zu verbringen. Wir richteten also unser Nachtlager in unserem Reisegfährt ein und kochten uns vorher ein feines Abendessen. Sobald die Sonne untergegangen war, wurde es sehr schnell sehr kalt. Die Nacht war mondlos und sternenklar - so viele Sterne am Himmel sehen zu können, ist im Alltag Westeuropas eine Seltenheit geworden. Doch die klare Nacht hatte ihren Preis: Trotz vieler Schichten Fleece und Merino und ein paar Versuchen, mit dem Gaskocher den Innenraum des Reisegefährts zu heizen, erwachten wir am Morgen bei einer Innentemperatur von -1°C, während es draussen auf -7°C gesunken war. Zu erwähnen ist noch, dass wir am Abend einen Besuch eines gut bewaffneten georgischen Grenzsoldaten hatten: Er erkundigte sich über unsere Absichten und legte uns nahe, nicht weiter ins Tal hinauf zu fahren, da wir sonst der russischen Grenze zu nahe kommen würden. Per Funk gab er seinen Fund - also uns - gleich irgendeiner Zentrale durch. Somit waren wir also sicher - vor wem? Nach dem Frühstück fuhren wir zurück nach Juta, von wo aus wir eine Wanderung unternahmen. Noch auf 2400m trafen wir hier - also Mitte Oktober - auf weidende Kühe: die südlicheren Breitengrade des Kaukasus machen dies möglich. Wir stiegen bis etwa knapp auf 2800m auf. Wenig später würden die Schneefelder beginnen. Unterdessen hatte sich der strahlend blaue Himmel innert weniger Stunden verzogen und schickte von seinen Wolken mit viel Wind beschleunigte Eiskörnchen gegen uns. Gestärkt mit heissem Tee und letzten Vorräten an Schweizer Schokolade nahmen wir nach dem Abstieg die Rückfahrt unter die Räder. *zitiert nach: Fried Nielsen (Hrg.), Europa erlesen - Georgien, 2006.
Weitere Fotos hier:

11.10.2010

Zürich -> Tbilissi, 5. Etappe: Swanetien

Von Batumi aus folgten wir der Schwarzmeerküste nach Poti. Etwas merkwürdig war der "Grenzübertritt" von Adscharien zu Restgeorgien: Ein Kran hob 2m hohe Betonsäulen hoch, um die Autos durchfahren zu lassen, teilweise wurde kontrolliert. Wir haben das Prozedere nicht ganz verstanden... Von Poti aus ging es landeinwärts über Zugdidi, das nah an der abchasischen Grenze liegt, Richtung Mestia in Swanetien. Die Strecke ist über 100km lang und die Fahrt dauert wegen der zum Teil recht schlechten Strassenverhältnisse mehrere Stunden. Aber die Aussicht auf die Dörfer und Berge entschädigt für alle Strapazen. In einer privaten Unterkunft lernten wir zwei Ur-Swanetierinnen kennen, wovon die eine fünf Sprachen spricht: swanetisch, georgisch, russisch, deutsch und englisch, wobei sie letztere beide an der Schule unterrichtet. Es war interessant zu erfahren, wie es sich so abgeschieden lebt, wobei auch in diesen Gegenden die Moderne Einzug gehalten hat. Wir fühlten uns sogar an die "ägyptische Geschichte" in Andermatt erinnert: Im Dorf Mestia wird gebaut und renoviert, was das Zeug hält. Bis Weihnachten soll nämlich ein Wintersport-Resort entstehen. Das gibt sicher einige Arbeitsplätze für die lokale Bevölkerung, aber ob der Ort seinen Charme behalten kann?
Interessant zu diesem Thema ist auch dieser Artikel:
http://www.argophilia.com/news/georgias-mysterious-wonder-svaneti-unveiled/21093/
Von Mestia aus geht es nochmals über 45km auf engen Strässchen und Feldwegen bis nach Uschguli, eines der höchstgelegenen, ganzjährig bewohnten Dörfer Europas auf 2200m. Nach Uschguli sind es nur noch wenige km und Höhenmeter bis zum Zagaripass auf 2623m. Wir begegneten auf dieser letzten Strecke noch einem einzigen anderen Fahrzeug. Die Talfahrt ist selbst in einem für solche Strassen geeigneten Gefährt kein Kinderspiel und dauerte viele Stunden.
Tankstelle in Lentekhi (unteres Swanetien):
Kutaisi, öffentliche Personenwaage:


http://georgien.blogspot.com/2010/11/blog-der-blues-in-svanetien-ei.html?utm_source=feedburner&utm_medium=feed&utm_campaign=Feed%3A+GeorgiaSouthCaucasus+%28GEORGIA+%26+SOUTH+CAUCASUS%29&utm_content=FaceBook

http://tbilisiblues.blogspot.com/2010/10/svaneti-blues.html

08.10.2010

Batumi et Poti, le pétrole à travers les âges

Lorsque Jason remontait la rivière Phasis était-il bien à la recherche de la toison d'or ou plutôt d'un contrat doré sous couvert d'aventure amoureuse avec quelque oligarque local? La mythologie ne le dit pas mais quand vous découvrez les maisons de maître du vieux Batumi, aujourd'hui presque toutes en rénovation après une triste période, vous voyez bien que l'aventure du transport du pétrole en aura fait profiter d'autres, en particulier Ludvig Nobel, le frère du célèbre Alfred, qui aussi aurait fait fortune dans la région. Mais ici on dédaigne tellement les oligarques que personne ne sait où se trouve le musée Nobel. De toute façon les mathématiciens et la famille Nobel, cela n'aura jamais été une histoire d'amour*.
Et Batumi rêve d'ailleurs de redevenir une capitale richissime et de concurrencer Dubaï. A voir les chantiers et les grues au travail ils sont sur la bonne voie.
Poti est plus triste, « not a very popular town » comme me l'a dit la réceptionniste de l'hôtel de Batumi. Raison probablement pour laquelle
Jason a directement mis les voiles vers l'intérieur du pays, ce que nous allons aussi faire dès demain.

Signé: un mathématicien qui n'a pas non plus fait fortune dans l'industrie du pétrole.

*en effet on raconte que Alfred N. n'a jamais créé de prix Nobel de mathématiques car il craignait que le premier destinataire d'un tel prix soit un célèbre mathématicien qui aurait été un peu trop proche de sa propre femme. Pour une autre histoire entre Nobel et le pétrol, voir: Essad Bey, "Meine Kindheit in Baku und meine haarsträubende Flucht durch den Kaukasus".

Zürich -> Tbilissi, 4. Etappe: Grenzübertritt nach Adscharien

Eigentlich könnte man der Schwarzmeerküste entlang auf riesigen Strassen, teils Autobahn, in kürzester Zeit der georgischen Grenze zurasen. Doch das war nicht in unserem Sinne. So machten wir mal wieder einen Abstecher Richtung Berge. Auch hier sind aber die meisten Strassen in unglaublich gutem Zustand. Nichtsdestotrotz passierte uns da die erste kleine Panne: Nach einer kleinen Unebenheit kreischte es unerträglich aus dem rechten Vorderrad. Zum Glück war das letzte Dorf erst einen Kilometer entfernt. Dort erregten wir sofort die Aufmerksamkeit der Leute. Einer davon sprach uns gleich auf Deutsch an: Er hatte mehrere Jahre in Frankfurt gelebt. Für unser Problem schlug er eine Werkstatt unweit dieses Dorfes vor, wo er uns sogar hinlotste. Die Werkstatt wirkte sehr archaisch, doch die Fachmänner dort - das heisst, es ist eigentlich immer so, dass einer arbeitet und fünf Personen zugucken - konnten das Problem innert weniger Minuten lösen. Beeindruckt, auch dass der "Frankfurt-Türke" Wörter wie "Radmutter" auf Deutsch beherrschte, setzten wir unsere Fahrt fort.
Im Tal von Sumela besichtigten wir das gleichnamige ehemalige griechische Kloster, das eindrücklich an einer hohen Felswand klebt. Von den Griechen wurde es über mehrere Hundert Jahre benutzt, bis sie im Zuge des "Völkeraustauschs" (so nennt man die "Reinigungen", die auf griechischer und türkischer Seite stattfanden und in der Türkei viele griechische Städte betraf, siehe dazu auch diesen NZZ-Artikel:
http://www.nzz.ch/nachrichten/kultur/aktuell/eine_neue_kultur_des_erinnerns_1.9056001.html) nach dem ersten Weltkrieg aufgegeben werden musste. Wir besichtigten die Anlage gleich bei Türöffnung morgens um 9 Uhr und trafen auf gelangweilte Billettverkäufer. Darum waren wir erstaunt, dass für so einzelne Touristen wie wir der Besichtigungsbetrieb sogar in den Nebensaison aufrecht erhalten wird. Doch eine Stunde später kreuzten wir auf der sehr steilen und engen Bergstrasse Dutzende von Kleinbussen und Cars mit Kreuzfahrttouristen, die einen Tagesausflug ab Trabzon gebucht hatten, was uns eines besseren belehrte...
Auf dem Weg zur türkisch-georgischen Grenze durchquert man Trabzon, eine fast legendäre Hafenstadt. Halb verfallen und recht chaotisch versprüht sie aber nur noch wenig vom alten Charme. Die türkisch-georgische Grenze war noch 10km entfernt, doch bereits konnten wir sie fühlen: Lastwagen aus allen Ländern standen teils beidseits der Strasse Schlange und liessen für den Privatverkehr noch einen schmalen Durchgang frei. Wir fragten uns, wie lange sie wohl bei der Zollabfertigung jeweils warten müssen - Tage oder Wochen? Wir kamen immerhin so weit, dass wir ein Zollgebäude ins Sichtfeld bekamen. Das Prozedere zu verstehen war nicht ganz einfach. Wir konnten uns die Wartezeit dank einer Unterhaltung mit dem französischen Botschafter von Aserbaidschan verkürzen: Er war gerade dabei, sein eigenes Auto von Paris nach Baku zu bringen. So rückten wir cm für cm vorwärts. Nach 2.5 Stunden hatten wir es geschafft - wir wurden vom georgischen Zöllner mit einem herzlichen "Welcome to Georgia" nach Georgien eingelassen.
Wenige Kilometer nach der Grenze kommt man nach Batumi, der Hauptstadt von Adscharien, einer georgischen Provinz mit einem gewissen Autonomiestatus. Wir fanden eine angenehme Unterkunft in einer ruhigen Strasse. Anderntags liessen wir uns von den Kontrasten beeindrucken: wunderschön renovierte Fin-de-siècle-Paläste neben noch halb verfallenen Häusern. Die Strassen sind ebenfalls entweder mit Pflastersteinen ganz neu gemacht oder weisen Löcher mit unbekannter Tiefe (weil sie mit Wasser gefüllt sind) auf.
Die Löcher haben automatisch den Nebeneffekt, dass der Verkehr gemächlich bis langsam dahingleitet, was uns natürlich entgegenkommt, da das Entziffern der Strassenschilder etwas Zeit in Anspruch nimmt. Sprachlich haben wir unsere ersten Stunden in Georgien mit Russisch und Englisch durchgeschlagen.
Wir werden sehen, wie das in weniger internationalen Regionen des Landes sein wird...
Georgische "Inschrift" heute Morgen im staubigen Rückfenster unseres Reisegefährts vorgefunden. Recherchen haben ergeben, dass es "Mach mich sauber!" heisst...

05.10.2010

Zürich -> Tbilissi, 3. Etappe: Türkei

Istanbul besteht aus dem europäischen und dem asiatischen Teil. Dies wird entsprechend symbolisiert durch die Brücke über den Bosporus. Allerdings habe ich die europäischste Strasse Istanbuls im asiatischen Teil gesehen: die Bagdad-Strasse. Dies ist eine Art Champs-Elysées mit lauter teuren Markengeschäften. Dorthin geraten sind wir auf Einladung von Bekannten, die in der Nähe wohnen. Gleichzeitig wollte ich ein Geschäft aufsuchen, um eine bessere Karte der Türkei zu finden, denn ich finde es fast etwas peinlich, mit einem 1:1'100'00-Massstab-Papier herumzureisen. Aber es stellte sich heraus, dass unsere Karte noch weitaus besser ist, als was man in Geschäften hier findet (oder wir haben die richtigen Geschäfte nicht gefunden). Wie auch immer, unsere Bekannten, teils Schweizer mit "Halbwohnsitz" in Istanbul, meinten, es sei eine Schweizer Krankheit, immer eine Karte von 100'000 oder 50'000 dabei haben zu wollen. Nun so denn, dann geht es halt weiter mit über einer Million... Während wir übrigens noch in Istanbul bei unseren Bekannten Kuchen assen und Tee tranken, schwankte plötzlich der Tisch: ein kleines Erdbeben! Ein etwas mulmiges Gefühl im 9. Stockwerk eines Hochhauses. Schon wenige Minuten später gab das türkische Radio durch, dass das Epizentrum im Marmarameer lag und die Stärke 4.4 betrug - also eine harmlose Geschichte.
Ohne Probleme fanden wir unser nächstes Ziel, das Städtchen Safranbolu, gelegen sozusagen an einem Seitenarm der Seidenstrasse und fast vollständig erhalten mit Häusern und anderen Bauwerken im osmanischen Stil. Den direkten Weg zur Unterkunft zu finden, ist allerdings in dem Gewirr von engen Gassen nicht einfach. Doch die lokale Polizei lebt hier anscheinend tatsächlich nach dem Motto "dein Freund und Helfer": Der Polizist schloss kurzerhand seinen Posten, setzte sich zu uns ins Reisegefährt, und lotste uns zur Unterkunft, ein Holzhaus aus dem 18. Jahrhundert.
Safranbolu hat seinen Namen tatsächlich aus dem Kauf und Verkauf vom roten Gold, Safran wird aber auch heute noch in der Umgebung angebaut und kann im Bazar gekauft werden. Der Höhepunkt in diesem Städtchen war die Kawanserei: ein Traum aus 1001 Nacht, vor allem, wenn man sich dort zu einem Tee eine Pause gönnt.
Fährt man nach Safranbolu weiter ostwärts, wird die Landschaft karger, die Strassen leerer. Trotzdem werden überall Strassen verbreitert und ausgebaut. Wir fragten uns: warum bloss? Es sind so wenige Leute unterwegs.
Ankunft am Schwarzen Meer in der Nähe von Samsun:
Weitere Bilder unter:
http://www.facebook.com/album.php?aid=71477&id=1602945550&l=aa94d10aba

03.10.2010

Zürich -> Tbilissi, 2. Etappe: Mazedonien-Istanbul

Der Ohridsee in Mazedonien ist einer der ältesten Seen der Welt, wird behauptet, entsprechend ranken sich viele Legenden um den Ort.
Was uns vor allem sympathisch war, dass in den Dörfern dieser Gegend Moschee neben Kirche stand und dass das ganz normal zu sein scheint. Wir verliessen Mazedonien Richtung Griechenland. Die beiden Länder sind ja wegen des Namensstreits "Makedonien" nicht gerade befreundet. Doch beim Vorbeifahren merkt man nichts davon. Ausser vielleicht: das mazedonische Kernkraftwerk befindet sich ganz nah an der griechischen Grenze - und das griechische Kernkraftwerk ganz nah an der Grenze zu Mazedonien... Fährt man ostwärts durch den nördlichsten Teil Griechenlands, kommt man wahrscheinlich durch eine der uninteressantesten Gegenden Griechenlands: Wenn man mal die Region der Hügel verlassen hat, fährt man schnurgerade durch flache, halbtrockene, eher langweilige Landschaft, die unterbrochen wird von gesichtslosen Ortschaften mit ein bisschen Industrie drum herum. Aber jedes Land hat wohl seine uninteressante Ecke.
Wir nutzten die Gelegenheit, auf der leeren Autobahn für ein paar Kilometer möglichst rasch vorwärts zu kommen. Thessaloniki liessen wir rechts liegen und übernachteten kurz vor Kabala in einem Hotel am Meer, das seinen ganzen "Saison-Ende-Charme" ausstrahlte: Konzipiert für riesige Gästeströme, kamen wir uns darin recht verloren vor. In sehr zahlreicher Menge waren dafür Mücken vorhanden, die uns die Nachtruhe vergällten. Die Hotelbesitzerin bestätigte uns, dass dies ein neueres Phänomen sei: Das Klima sei feuchter geworden, die Mücken zahlreicher und aggressiver. Gerade als wir abfahren wollten, konnten wir zufällig beobachten, wie versucht wird, gegen diese Plage anzukämpfen: Ein kleiner Lastwagen, gefüllt mit mückentötender Chemie, fährt vor dem Hotel vor, stellt sein "Hinterteil" unmittelbar vor die Hoteltüre und sprüht die Chemie hinein! Wir hatten ein bisschen Zweifel, ob diese Methode wirklich in allen Winkeln des Hauses die Mücken ausser Gefecht setzen würde - und ganz abgesehen von den gesundheitlichen Folgen für die Menschen? Der nächste Tag brachte uns den nächsten - und nun für eine Weile letzten - Grenzübertritt: Griechenland -> Türkei. Da wir die türkischen Zöllner vom Nachtzug Bukarest-Istanbul her als etwas unsanft in Erinnerung hatten, waren wir gespannt, was auf uns zukommen würde. Zwar waren die schwer bewaffneten Militärs im Niemandsland zwischen den beiden Grenzen recht eindrücklich, aber das eigentliche Prozedere ging sehr unkompliziert über die Bühne.
Knapp hundert Kilometer vor Istanbul übernachteten wir nochmals, um anderntags bei Tageslicht in die 15-Millionen-Metropole fahren zu können. Das Fahr- und Reaktionstraining aus Tirana erwies sich in Istanbul als nützlich und wir kamen damit recht problemlos durch die Stadt. Wir fanden eine Unterkunft im Quartier Taksim, gönnten unserem Reisegefährt ein paar Stunden mehr als üblich Ruhe und machten uns zu Fuss zur Stadterkundung auf. Da wir vor zwei Jahren mehrere Tage lang Istanbul besichtigt hatten, erlaubten wir uns, uns aufs Rosinenpicken zu beschränken. Eine Rosine davon war die Ausstellung "1001 Inventions" (http://www.1001inventions.com/), die für "Istanbul - Kulturhauptstadt 2010" konzipiert wurde und ab Spätherbst durch die Welt tourt. Die Ausstellung zeigt, welche arabischen / muslimischen Erfindungen die Welt und die Wissenschaft nachhaltig geprägt haben. Die Bekanntschaft mit einer jungen Jura-Studentin, die als Eingangskontrolleurin jobbte, ermöglichte es uns, an der langen Schlange von Wartenden vorbei einen Platz auf dem "fliegenden Restaurant" zu ergattern: Da wird man auf einem von etwa 20 Stühlen, die rund um einen grossen Tisch angeordnet sind, festgebunden, bevor ein Riesenkran das Ganze gut 50m in die Höhe zieht. Als Zugabe ging gerade die Sonne unter, was alles in goldenes Licht tauchte. Und dazu wird einem Tee und Locum (türkische Süssigkeit) serviert, so dass gleich alle Sinne gleichzeitig beglückt wurden.
Das war genau die richtige Höhe, um einen atemberaubenden Ausblick über die Istanbuler Altstadt mit Hagia Sophia, Blauer Mosche, etc. zu bekommen.
Heute Sonntag werden wir auf die asiatische Seite Istanbuls fahren und am Montag in Richtung Anatolien / Schwarzmeerküste unseren Weg nach Gürcistan (=Georgien auf Türkisch) unter die Räder nehmen.
Über uns lesen kann man auch hier:

http://www.auxartsetc.ch/articles_detail.php?id=7567

en route vers l'Asie

Les derniers kilomètres ont eu lieu à la vitesse d'un porteur: en effet arrivés à Istanbul, si vous quittez les grands axes, vous vous retrouvez dans de petites ruelles où la même voie est utilisée pour circuler, décharger, et marchander.
Ainsi le dernier kilomètre pour se rapprocher de Ste-Sophie nous a bien pris une petite demi-heure. Trouver une place de parc est ensuite plus facile puisque toute zone non occupée semble pouvoir l'être sans autre formalité, disque de parcage etc. au moins pour quelques minutes, histoire de trouver un logement pour la nuit.
Nous quitterons le centre dans l'après-midi pour la traversée symbolique du grand pont entre l'Europe et l'Asie.

30.09.2010

des chemins et des routes

Au fil des kilomètres les comportements et règles de la route se distinguent de plus en plus de nos codes helvétiques: puisque des véhicules de poids et puissances très variés s'y retrouvent chacun dépasse comme il peut, où il peut et quand il peut, même si un l'un ou l'autre piéton ou véhicule en face doit faire place. Le plus bel exemple de système D, a, pour le moment été l'entrée à Tirana. Après un pont de bois juste après la frontière, dont certaines planches manquaient tout simplement nous voilà sur une route qui n'est plus qu'une large bande d'asphalte plus ou moins lisse. Chacun s'y déplace, y vit, vend et répare ce qui doit être fait. Tous les quelques kilomètres, à gauche et à droite, des déchetteries de voitures, surtout des carcasses de mercedes des années 80 et 90. Chaque pièces est alors évaluée, soudée, réutilisé, ... D'ailleurs il circule ici surtout des mercedes, de tous âges. Peu à peu on se rend compte qu'avec notre embarcation verte on est presque le seul véhicule avec tous ses phares, des pare-chocs non scotchés et une carrosserie presque lisse. Voilà que la route s'élargit: un tronçon d'autoroute. Tout le monde accélère mais les marschruts s'arrêtent quand même pour laisser monter et descendre des indigènes. Un vélomoteur profite même de cette étendue lisse et encore chaude, pour circuler le plus vite possible, mais à contre-sens. Tout à coup, sans le moindre signal l'autoroute est interrompue. Tout le monde s'arrête brusquement, traverse un zone trouée et terreuse entre les deux voies et le tout recommence, sur la voie d'en face.
Un grand rond-point à l'entrée de Tirana nous fait quelques frayeurs. Là, pas de règle ni de priorités. Dès qu'il y a une place il faut s'y engouffrer. Difficile de regarder devant, à gauche, derrière, à droite, que chaque autre embarcation ne se rapproche pas trop, et de faire son choix parmi les 4 ou 5 sorties à peine désignées. Finalement après un tour et demi, on se décide pour une direction qui s'avèrera d'ailleurs totalement erronée et nous forcera bientôt à refaire un dernier demi-tour après un tourner sur route pas des plus aisés.
Plus on se rapproche du centre plus la circulation devient dense et plus les autres véhicules se rapprochent de nous. Les jambes tremblent d'une longue danse entre l'embrayage et les freins, parfois un coup de gaz pour quand même avancer un peu. Nous voilà enfin dans une rue avec un nom, même un nom sur notre carte, petit soulagement. On se précipite sur la première case bleue pour un peu de répit. Et là, devant notre nez, s'arrête une range rover noire, aux vitres teintées dont une gamine saute du volant, lunettes Gucci et blackberry blanc dernier cri pour s'engouffrer dans la banque d'en face.
Sandra et Rodolphe, 29 septembre, Tirana

Zürich -> Tbilissi, 1. Etappe: durch 7 Länder im Westbalkan

Am Samstag, 25.09.2010, am frühen Nachmittag ging's endlich los. Es regnete in Strömen bei unserer Abfahrt in Zürich.
Aber die Alpen hielten, was sie üblicherweise versprechen: Ennet dem Vereinatunnel, durch den unser Landrover auf der Rhätischen Bahn mitfahren durfte, war's vorbei mit Regen. Die Reste der ersten Winternacht auf dem Ofenpass (5-10cm Neuchschnee) beeindruckten uns nur kurz, denn schon rollten wir durchs Südtirol Bolzano zu. Am gleichen Tag erklommen wir noch den nächsten Pass: Costalunga in den Dolomiten, wo wir auch übernachteten. Am anderen Morgen stellten wir fest, dass die Leute im Dorf ihre Sonntagszeitung auf ladinisch kaufen, aber auf italienisch lesen. Doch diese Besonderheit galt nur für wenige Kilometer, es wurde danach immer italienischer... Aber um keine sprachliche Langeweile aufkommen zu lassen, tuckerten wir weiter südwärts: nach Trieste folgten ein paar Dörfer in Slowenien - und ehe man sich's versieht, landet man schon in Kroatien. Und somit war es endlich Zeit für eine Pause. Am dritten Tag kamen wir in Trogir wieder an die Adriaküste, wo wir daran erinnert wurden, dass es auch Ende September noch sehr sommerlich sein kann.
Das hübsche Städtchen mit der eleganten Uferpromenade kann man jetzt angenehm durchschreiten - lieber stellt man sich nicht vor, wie voll es wohl im Sommer-Massentourismus sein kann... Ebenso sommerlich-mediterran zeigte sich Split und sein Diokletianspalast. So schön all dies sein kann, ein Tapetenwechsel war wieder angesagt:
Durch eine imposante Schlucht ging's wieder bergwärts ins kroatische Hinterland und schliesslich über die Grenze nach Bosnien-Herzegowina. Erst bei Dunkelheit kamen wir schliesslich in Mostar an. Bei einem Nachtspaziergang nahmen wir einen ersten Augenschein von der Altstadt mit der berühmten neu-alten Brücke, die 1993 im Krieg zerstört und danach wieder aufgebaut worden war. Mal hört man eine Kirchenglocke, mal einen Muezzin: Ob dieses Miteinander heute tatsächlich wieder so gut funktioniert wie man bei einem Kurzbesuch den Eindruck hat, konnten wir nicht in Erfahrung bringen. Bei Tageslicht am anderen Morgen wurden die Kriegswunden an vielen Häusern sichtbar. Sollen diese Einschusslöcher als Mahnmal stehen bleiben? Oder fehlt das Geld für neuen Verputz? Denn an Geld (oder Geldgebern) für sehr gut ausgebaute Strassen scheint es nicht zu mangeln: wir hatten es uns holpriger vorgestellt. Die nächste Etappe bescherte uns einmal mehr diverse Zollübergänge: Von Bosnien-Herzegowina zurück nach Kroatien. Entlang der Küste bis Dubrovnik durchquert man aber nochmals ein Stück Bosnien, das zwar mit dem Rest Bosniens nur über beschwerliche Bergstrassen verbunden sein muss. Von Norden her erreicht man Dubrovnik über eine elegante Hängebrücke. Die nach dem Krieg komplett wieder aufgebaute Altstadt ist beeindruckend, aber auch ganz schön glatt poliert, schon fast unnatürlich. Aber vielleicht wirkte es auch so auf uns wegen der gleissenden Sonne. Doch die Einnahmequelle Tourismus scheint zu sprudeln wie früher. Schliesslich kam es zum vierten und letzten Grenzübertritt an diesem Tag: nach Montenegro.
Die Küste ist auch hier immer noch beeindruckend und abwechslungsreich. Auch unserem Reisegefährt gönnten wir eine Abwechslung: Über die Bucht von Kotor liessen wir uns von einer Fähre transportieren. Unsere nächste Unterkunft fanden wir schliesslich in Ulcinj, der letzten Stadt Montenegros vor der albanischen Grenze. Der albanische Einfluss ist hier schon so gross, dass die Strassenschilder meistens zweisprachig beschriftet sind. Am nächsten Morgen suchten wir einen der raren Grenzübergänge zu Albanien. Die Zollprozedur dauerte diesmal etwas länger als bisher, aber wir konnten schliesslich die Zöllnerin überzeugen, dass die Holzkonstruktion im Landrover eine Kombination aus Klapptisch, -Bett und -Büro mit Büchergestell ist und dass wir keineswegs die Absicht haben, dieses Möbelstück in ihrem Land zu verhökern... Haben wir bis jetzt nach all den Grenzübergängen meist fast nur anhand einer anderen Währung, anderen Sprache oder anderen Schrift gemerkt, dass wir das Land gewechselt haben, ist der Unterschied von Montenegro zu Albanien hingegen sehr auffällig: ältere Fahrzeuge auf der Strasse, zerfallene Häuser, etc.
In der Hauptstadt Tirana war Höchstkonzentration gefordert: Das Verkehrsverhalten nahezu chaotisch, doch wir schlängelten uns durch. Tirana ist keine Schönheit im "westlichen Sinne", doch der Stadtpräsident hat mit ein paar Farbkübeln das Beste daraus gemacht. Die Stadthitze war schon fast unerträglich, so dass wir die Weiterfahrt ins gebirgige Hinterland ohne Bedauern in Angriff nahmen. Auf dem Pass Qafe Thanës überquerten wir die nächste Landesgrenze und rollten nach Mazedonien. Am berühmten Ohridsee liessen wir uns am Ende dieses fünften Reisetages nieder.
Weitere Bilder gibt es auf:

21.09.2010

Der Countdown läuft...!

Noch 4 Tage bis zur Abreise! Das Innenleben des Reisegefährts hat seine definitiven Formen angenommen.
Alles getestet und an alle Eventualitäten gedacht?
On verra...

Begutachtet wurde das Reisegefährt auch von weiteren Experten, allen voran von Schreiner und Onkel Heinrich, der sich die Verwendung des Restholzes aus seiner Schreinerei genau anschaute - und insgeheim ähnliche Reisepläne hegt:
Auch meine knapp 90jährige Grossmutter liess sich in die Details des multifunktionalen Autos einweihen, findet den Einstieg aber etwas sportlich.Göttibub Nik fände mitfahren eigentlich noch ganz cool.Ob wir wildere Bäche antreffen werden?
Eine "Bibliothek" mit Beleuchtung darf natürlich nicht fehlen:
Und hier noch ein Bild zum Innenleben für Leute, die sich für solche Schläuche interessieren:Schliesslich hat unser Reisegefährt noch ein neues Kleid bekommen:Aber wir werden noch andere Karten dabei haben...;-)